Kunst für die Stadt

Mit dem Projekt hat sich der Kunstverein Bad Dürkheim – zusammen mit dem Kulturausschuss der Stadt – das Ziel gesetzt, zeitgenössische Kunst in Bad Dürkheim zu fördern, zu vermitteln und mit einem Kunstpfad parallel zu den anderen Sehenswürdigkeiten die Stadt auch künstlerisch zu beleben. Dieser langjährigen Kooperation verdankt Bad Dürkheim Kunst-Objekte, die in Parks, auf öffentlichen Plätzen und in schmalen Gässchen des Zentrums ihren, einen besonderen Platz gefunden haben. >stadtkunst<-Objekte sind Kunstwerke, die auf Initiative des Kunstvereins Bad Dürkheim e.V. selbst, von Sponsoren oder der Stadt ermöglicht worden sind. Das gemeinsame Projekt >stadtkunst< wird fortgesetzt.

Siehe auch: „QuARTier stadt-kunst bad dürkheim", eine an Planpunkten orientierte Broschüre des Kulturbüros der Stadt Bad Dürkheim:

Zur Broschüre


NYMPHE (2014)

Nymphe Einweihung

Karl Seiter,
Bad Dürkheim

Standort: Eichhaus, Gerberstraße


© Peter Nonnenmacher



Eine Nymphe für den „Weg der Verführung"

Eine Nymphe für die Isenach, am Eichhaus, im Zentrum der Stadt! Unübersehbar weiblich, laut griechischer und römischer Mythologie die Personifikation von Naturkräften. Dem Menschen wohlgesonnen, meistens jedenfalls. Ein guter (Fluss-)Geist also. Eindeutig.

Mit der Plastik des Dürkheimer Künstlers Karl Seiter hält der Kunstverein Bad Dürkheim sein Versprechen, sich adäquat an der Renaturierung der Isenach zu beteiligen. Möglich geworden durch die großzügige Spende der Ralph und Inge Becker-Stiftung, wird die 1.60 Meter große, aus Zement gegossene Figur voraussichtlich Ende August ihren Platz am Eichhaus finden, direkt an der Isenach.

Gleichzeitig ist sie auch der Beitrag des Kunstvereins zum 2014-Projekt des Kulturbüros unter dem Motto „Menschen bewegen – Menschen bewegen". Ungeachtet ihrer partiell beschaulichen Fließgeschwindigkeit: Dass die Isenach für die Dürkheimer ein Symbol der Bewegung ist, keine Frage! Aus dem Pfälzer Wald kommend, unter dem Eichhaus hindurch, sucht sich das Symbol-Gewässer erster Güte seinen – seit Sommer 2013 sogar oberirdischen – Weg durch den Kurpark in Richtung Rhein. Die Suche nach einem optimalen Standort der Plastik hat den Kunstverein daher gehörig bewegt.

Nicht genug. Nach sieben Jahren Pause ist die Nymphe das elfte >stadtkunst<-Objekt, das der Kunstverein selbst, zusammen mit privaten Sponsoren oder der Stadt seit 1990 dem Öffentlichen Raum in Bad Dürkheim gewidmet hat. Diese Kooperation zwischen Kunstverein und Kulturausschuss hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der so genannte Kulturpfad inzwischen durch das gesamte Stadtgebiet zieht. Ein „Weg der Verführung", wie es in der Publikation des Kulturbüros „QuARTier stadt-kunst bad dürkheim" heißt. Diesen Parcours der anderen Art wird die Plastik von Karl Seiter um einen weiteren Planpunkt ergänzen.

Um im „QuArtier" zu bleiben: Hier finden Sie „Die Versuchung" von Hans Otto Lehnert (Weinstraße Nord, Kreuzung Eichstraße / Planpunkt 14), die „Kopfplastiken" und „Helmköpfe" von Theo Röhrig (Schlosskirchenplatz / Planpunkt 16 + 17) oder die „Wolke" von Professor Eberhard Linke (Kirchgasse / Planpunkt 15). Mit dem neuen Blick-Punkt an der „Bach", wie die alten Dürkheimer gerne sagen, schließt sich jetzt der Kreis. Die Nymphe bindet diesen atmosphärisch wie historisch interessanten (Altstadt)Teil rund um das Eichhaus und die Gerberstraße harmonisch an die Stadtmitte an. Doch „nur" in sich ruhend, „nur" Hüterin der Isenach sein? Die Nymphe will mehr! 

Sie will die sein, zu der man kommt, neben der man sitzt und miteinander spricht: über Kunst und Künstler, über Standort und Gewässer, über Kind und Kegel und ginge es nur nach ihr: über alles, was die Dürkheimer sonst noch so bewegt.

Heidi Gronegger





Presseberichte:

Nymphe für die Isenach

Kein "leichtes Mädchen"




FIGUR MIT VERSCHRÄNKTEN ARMEN (2007)

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Walter Schembs,
Worms-Herrnhausen

Standort: Kurpark, unterhalb vom Ostertagbrunnen
Planpunkt: 33


Foto: © Privat

Walter Schembs (geboren 1956 in Worms), ist gelernter Schreiner und Möbelrestaurator, seit 1992 arbeitet er in seiner Geburtsstadt als freischaffender Holzbildhauer. Das Hauptthema seiner Kunst: der Mensch in seiner Existenz. Mit zunehmendem Erfolg – besonders bei Ankäufen der Öffentlichen Hand – entstand der Wunsch, seine Skulpturen auch im Freien aufstellen zu können. Seine besten Arbeiten werden daher auch in Bronze gegossen.

Die "Figur mit verschränkten Armen" ist aus einem Eichenstamm entstanden. Bearbeitet mit Kettensäge, Beil, Querbeil, Schleifgerät und Stechbeitel, lässt Schembs die Spuren seiner Arbeit sichtbar, um mit der abwechslungsreichen Oberfläche in Form von Kerben, Rillen, Längs- und Querhieben die Spannung der Figur zu erhöhen. Das ausgesprochen aufwändige Wachsausschmelzverfahren bewahrt die feinsten Details und liefert einen so präzisen Bronzeabguss, dass daran noch die Holzart der Urform zu erkennen ist. Der Betrachter wird getäuscht: Er sieht "Holz", bei näherer Prüfung aber fühlt er Metall. Die "Figur mit verschränkten Armen" ist keine ganze Figur, da sie keine Beine hat, sondern auf ihren kräftigen Oberschenkeln ruht. Es ist aber auch kein Torso, denn die Arme sind unübersehbar. Überdimensioniert und kantig liegen sie waagerecht übereinander gestaffelt vor der Brust. Die großen Hände bilden die Klammer, die sie in der Verschränkung halten – undurchdringlich, wie es scheint. Schulterlinie, Arme und Bauchpartie bilden waagrechte Elemente, die der Figur Massivität und Stabilität verleihen.

Durch die Einkerbungen des Arbeitsprozesses wird der Verlauf der Oberschenkel markiert. Ganz zierlich dagegen der Kopf. Auf langem, schmalem Hals reckt er sich gen Himmel: Ein Markenzeichen der Schembschen Plastiken, das immer wieder zu neuen Deutungen einlädt. Von hinten zeigt sich die monumentale Figur in äußerster Ruhe. Nichts, so glaubt man, wird sie je erschüttern können. Die Plastik wurde – wie alle anderen Objekte im Rahmen des Projektes >stadtkunst< auch – gemeinsam von Stadt Bad Dürkheim und Kunstverein finanziert. Großzügige private Spenden haben ganz wesentlich zur Finanzierung beigetragen.

 

DIE VERSUCHUNG (2004)

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Hans-Otto Lehnert, Rodenäs

Standort: Weinstrasse Nord
Planpunkt: 14

Foto: © Fotostudio Alles

Der Bildhauer Hans-Otto Lehnert stammt aus Berlin, studierte in der ehemaligen DDR und hat dort auch jahrzehntelang erfolgreich gearbeitet. Nach der Wende zog er mit seiner Schmiedewerkstatt in den Norden nahe der dänischen Grenze – dorthin, wo einst Emil Nolde wirkte.

Lehnerts Medium ist Stahl in allen Formen: Edelstahl, Schmiedestahl oder COR-TEN-Stahl B, eine Stahllegierung, die sich durch hohe Witterungsbeständigkeit auszeichnet. Ihre Oberfläche ist mit einer besonders dichten Eisenoxydschicht überzogen, die für die hohe Rostbeständigkeit verantwortlich ist. Lehnert über sein Werk: „Zwei Formen biegen sich beziehungsweise bedrängen sich; suchen Nähe in einer Erstarrtheit, die sich nach oben kurz vor dem Abheben, Fliegen, sich vergessend spannungsvoll öffnet."
Das Kunstwerk „Die Versuchung" wurde über eine private Spende finanziert.

 

JANUS (2003)

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Prof. Eberhard Linke, Saulheim

Standort: Kurpark Bad Dürkheim, am Weg vom Rathaus zur Brunnenhalle
Planpunkt: 7

Foto: © Privat

Janus war der römische Schutzgott des Ein- und Ausgangs, der mit seinen zwei nach entgegengesetzten Seiten blickenden Gesichtern Türen, Tore und Durchgänge bewacht. Gleichzeitig symbolisiert er das Doppelseitige im Leben. Auch als Gott des Anfangs hatte er für die Römer magische Bedeutung. War doch für sie der erste Schritt für den Erfolg oder das Misslingen aller Entscheidungen ausschlaggebend. Janus waren die frühen Morgenstunden, die Anfangstage der Monate und "Januaris", der erste Monat des Jahres geweiht. Die Plastik wurde durch eine private Spende finanziert. Siehe auch Objekt „Wolke", Planpunkt 15.

WOLKE (2001)

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Prof. Eberhard Linke, Saulheim

Standort: Kirchgasse, am Weg von der Schlosskirche zur Isenach
Planpunkt: 15

Foto: © Fotostudio Alles

Angeregt wurde der Künstler durch einen Aufenthalt an einem See in Mittelschweden: Die Wolken, die sich dort im klaren Wasser spiegelten, wirkten so nah, dass sie scheinbar mit Händen zu greifen waren. Die "Wolke" gehört zu einer Werkgruppe, in der sich der Künstler mit dem Wechselspiel anthropomorpher (menschenförmiger) Formen in der menschlichen Gestalt auseinandersetzt. Der baumstammartige Arm der "Wolke" entwickelt sich zur Hand, über deren Öffnung eine Wolke auf zwei Fingern schwebend balanciert. Eberhard Linke studierte von 1959-1964 an der Akademie für Bildende Künste in Stuttgart. Studienziel: Bildhauer. 1963 Kunsterzieherexamen, seit 1972 Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Mainz. 1974 Ernennung zum Professor.
Die Qualität seiner Arbeit spiegelt sich in zahlreichen Auszeichnungen: 1979 Villa-Massimo Preis, 1989 wird ihm der Staatspreis Rheinland-Pfalz für Kunst und Architektur sowie 1996 der Kunstpreis Rheinland-Pfalz verliehen. Plastiken und Skulpturen von Eberhard Linke bereichern den öffentlichen Raum vieler Städte.

WINDSPIEL (1999)

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Bernd Funk, Offenbach (Queich)

Standort: Kurpark - gegenüber der Brunnenhalle
Planpunkt: 3

Foto: © Fotostudio Alles

Bernd Funk gilt als hervorragender Metall-Designer und -Gestalter. Er ist Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK), seine Werke in Stahl/Edelstahl/Bronze sowie seine Restaurierungsarbeiten haben weit über die Landesgrenzen hinaus Beachtung gefunden. 2002 wurde er mit dem Pfalzpreis geehrt.

Funk sieht sich als Kunsthandwerker, der, handwerklich geprägt, bei vielen seiner Arbeiten die Grenzen zur Kunst überschreitet: Für ihn existiert noch die alte Einheit von Kunst und Handwerk. Konsequent vertritt er eine klare Linie und nähert sich der Philosophie des Bauhauses an. Funks besondere Liebe für kinetische Objekte beweist er auch in Bad Dürkheim.

Der exponierte Standort des Windspiels im Herzen des Kurparkes –zentral auf der Blickachse von Brunnenhalle und Springbrunnen – verlangte großes Einfühlungsvermögen. Das Objekt, bestehend aus acht verbundenen Edelstahl-Elementen (2.60 und 4.25 Meter hoch), ist mit Edelstahlseilen verspannt. Die Windflügel in den heiteren Farben "Himmelblau und Sonnengelb" vermitteln selbst an trüben Herbst- und Wintertagen eine Vorahnung auf die Sonnentage des Frühjahrs und Sommers.

HELMKÖPFE (1998)

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Theo Rörig, Hettenleidelheim

Standort: Schlosskirchenplatz
Planpunkt : 17

Foto: © Fotostudio Alles

Der Pfälzer Bildhauer ist seit 1973, nach seiner Ausbildung von 1954-1963 an der Fachschule für Bildhauer in Kaiserslautern, freischaffend tätig. Als Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) hat er an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teilgenommen. Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Pfalzpreis für Kunsthandwerker – seine Werke werden im Öffentlichen Raum, in Kirchen und Institutionen des Landes gezeigt.

Theo Rörig hat sich in seiner künstlerischen Arbeit besonders mit den vielfältigen Facetten des Menschen beschäftigt. In seinen streng archaisch geformten Kopfskulpturen drückt er seine Beobachtungen aus. Für ihn werden Emotionen immer mehr unter einer Maske verborgen, der Helm wird zum Zeichen für Angst und Verschlossenheit. Das Visier der Helme ist oft geschlossen, nur kleine Öffnungen und Schlitze weisen darauf hin, dass sich dahinter ein Mensch verbirgt. Theo Rörig sieht sich als Grenzgänger, der sich nicht einseitig vereinnahmen lässt. Für ihn existiert unverändert die traditionelle Einheit von Kunst und Handwerk. Die "Helmköpfe" 1998 über eine private Spende finanziert, ergänzen die bereits 1994 aufgestellten "Kopfplastiken" zu einem Ensemble. Die Kopfskulpturen sind symbolische Wächter und Hüter des Schlosskirchenplatzes.

KULT-UHR (1996)

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Volker Heinle, St. Martin

Standort: Leininger Straße, Philipp-Fauth-Straße
Planpunkt: 27

Foto: © Fotostudio Alles

Volker Heinle studierte in Berlin an der Hochschule für Künste. Nach dem Examen als Designer folgte ein Kunstpädagogik-Studium, 1985 hat er sich als Künstler selbständig gemacht. Volker Heinle ist ein exzellenter Zeichner und Radierer. Seine Motive: überwiegend historische Persönlichkeiten, Gebäude oder Orte, die Heinle teils real, teils fiktiv in die Gegenwart transponiert.

1995 entstand seine große Wandbemalung in Bad Dürkheim. Die 40 Quadratmeter große Giebelwand ist symbolträchtig gestaltet: Das Gefüge des abgebildeten Dachbodens scheint gefährdet, merkwürdige Gegenstände zeigen sich: Bilderrahmen und Bilder, blaue und lustvoll fleischfarbene Früchte, ein Messinstrument, versprengte Buchstaben, Bleistifte und Pinsel, Postpakete als Hinweis auf die frühere Poststation.

Ein grüner, vielblättriger Baum stemmt sich dem berstenden Gebälk entgegen, doch die Baumwurzeln enden in blauschimmernden Stahlplatten – Zeichen der beginnenden Industrialisierung. Die "Kult-Uhr" in der Giebelspitze, zu der ein "K" aus einem Holzstift weist, zeigt uns den Weg: Die Literatur (= ABC), die Malerei, die Musik und die Glühbirne (= Geistesblitze) sind Symbole für eine Überlebensstrategie.

STEINKREIS (1996)

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Willi Bauer, Heiligenmoschel

Standort: Am Ende des Römerplatzes, Richtung Stadtplatz
Planpunkt: 21

Foto: © Fotostudio Alles

Willi Bauer studierte Design, visuelle Kommunikation sowie Politik und Kunst in Kaiserslautern und Giessen. Seit 1985 freischaffender Künstler, gestaltete er 1996 den "Steinkreis" als Anordnung von zwei Granitblöcken auf einer runden Steinplatte. Der dabei verwendete Paradiso-Granit zeichnet sich durch eine ausgeprägte Struktur aus, die besonders bei Nässe eindrucksvoll hervortritt.

Im Volksmund wird die Skulptur auch "Steinerne Couch" genannt. Der Steinkreis, der die beiden Blöcke umschließt, ist für den Künstler ein zentrales Thema: „Der Kreis ist eines der ersten Elemente der Kommunikation. Unsere Vorfahren saßen im Kreis um ein Feuer, das kreisförmig abbrannte. Die frühen Behausungen der Menschen waren kreisförmig. Wir stehen im Kreis und reden. Wichtige Dinge werden am ‚Runden Tisch' besprochen. Das Gespräch im Kreis setzt Gleichheit voraus und grenzt Konkurrenz aus. Der Kreis ist die einfachste und vollkommenste Figur: ohne Anfang und Ende."

KOPFPLASTIKEN (1994)

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Theo Rörig, Hettenleidelheim

Standort: Schlosskirchenplatz
Planpunkt: 16

Foto: © Fotostudio Alles

Der Pfälzer Bildhauer ist seit 1973, nach seiner Ausbildung von 1954-1963 an der Fachschule für Bildhauer in Kaiserslautern, freischaffend tätig. Als Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) hat er an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teilgenommen. Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Pfalzpreis für Kunsthandwerker – seine Werke werden im Öffentlichen Raum, in Kirchen und Institutionen des Landes gezeigt.
Theo Rörig hat sich in seiner künstlerischen Arbeit besonders mit den vielfältigen Facetten des Menschen beschäftigt. In seinen streng archaisch geformten Kopfskulpturen drückt er seine Beobachtungen aus. Für ihn werden Emotionen immer mehr unter einer Maske verborgen, der Helm wird zum Zeichen für Angst und Verschlossenheit. Das Visier der Helme ist oft geschlossen, nur kleine Öffnungen und Schlitze weisen darauf hin, dass sich dahinter ein Mensch verbirgt. Theo Rörig sieht sich als Grenzgänger, der sich nicht einseitig vereinnahmen lässt. Für ihn existiert unverändert die traditionelle Einheit von Kunst und Handwerk. Die "Kopfplastiken" (1994), über eine private Spende finanziert, sind die Vorläufer der 1998 aufgestellten "Helmköpfe". Die Kopfskulpturen sind symbolische Wächter und Hüter des Schlosskirchenplatzes.

SIE UND ER (1990)

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Josef Koseda, Danzig

Standort: Im Kurpark, am Weg von der Ludwigskirche zur Saline
Planpunkt: 9

Foto: © Fotostudio Alles

Der polnische Bildhauer Josef Koseda lebt und arbeitet in Danzig. 1990 wurde er vom Kunstverein Bad Dürkheim zu einem vierwöchigen Aufenthalt in Bad Dürkheim eingeladen. Im Rahmen eines Symposiums bearbeitete er im Innenhof des Kulturzentrums Haus Catoir einen Pfälzer Sandsteinblock. Viele Bürger und Gäste der Stadt nahmen am Entstehungsprozess teil. In der Anfangsphase durften sie dabei sogar selbst Hand anlegen. So entstand die Skulptur "Sie und Er".
Die beiden aneinander gelehnten Pferdeköpfe symbolisieren das Miteinander und Füreinander von Mann und Frau – ein ewiges Thema in der Kunst. Diese Verstrickung der Geschlechter spiegelt sich in den Arbeiten Kosedas wieder. Viele seiner kleinformatigen Holzskulpturen zeigen in stilisierter Form Mann und Frau – getrennt oder vereint – ruhend oder in Bewegung. Koseda hält das Streben nach Harmonie für das Idealziel in unserer Welt der Hektik und des Zwiespalts.

 

Kunst für die Stadt

Figur mit verschränkten Armen (2007)
Walter Schembs, Worms-Herrnhausen
Standort: Kurpark, unterhalb vom Ostertagbrunnen
Planpunkt: 33

Walter Schembs (geboren 1956 in Worms), ist gelernter Schreiner und Möbelrestaurator, seit 1992 arbeitet er in seiner Geburtsstadt als freischaffender Holzbildhauer. Das Hauptthema seiner Kunst: der Mensch in seiner Existenz. Mit zunehmendem Erfolg – besonders bei Ankäufen der Öffentlichen Hand – entstand der Wunsch, seine Skulpturen auch im Freien aufstellen zu können. Seine besten Arbeiten werden daher auch in Bronze gegossen. Die "Figur mit verschränkten Armen" ist aus einem Eichenstamm entstanden. Bearbeitet mit Kettensäge, Beil, Querbeil, Schleifgerät und Stechbeitel, lässt Schembs die Spuren seiner Arbeit sichtbar, um mit der abwechslungsreichen Oberfläche – Kerben, Rillen, Längs- und Querhieben – die Spannung der Figur zu erhöhen. Das ausgesprochen aufwändige Wachsausschmelzverfahren bewahrt die feinsten Details und liefert einen so präzisen Bronzeabguss, dass daran noch die Holzart der Urform zu erkennen ist. Der Betrachter wird getäuscht: Er sieht "Holz", bei näherer Prüfung aber fühlt er Metall. Die "Figur mit verschränkten Armen" ist keine ganze Figur, da sie keine Beine hat, sondern auf ihren kräftigen Oberschenkeln ruht. Es ist aber auch kein Torso, denn die Arme sind unübersehbar. Überdimensioniert und kantig liegen sie waagerecht übereinander gestaffelt vor der Brust. Die großen Hände bilden die Klammer, die sie in der Verschränkung halten – undurchdringlich, wie es scheint. Schulterlinie, Arme und Bauchpartie bilden waagrechte Elemente, die der Figur Massivität und Stabilität verleihen. Durch die Einkerbungen des Arbeitsprozesses wird der Verlauf der Oberschenkel markiert. Ganz zierlich dagegen der Kopf. Auf langem, schmalem Hals reckt er sich gen Himmel: Ein Markenzeichen der Schembschen Plastiken, das immer wieder zu neuen Deutungen einlädt. Von hinten zeigt sich die monumentale Figur in äußerster Ruhe. Nichts, so glaubt man, wird sie je erschüttern können. Die Plastik wurde – wie alle anderen Objekte im Rahmen des Projektes >stadtkunst< auch – gemeinsam von Stadt Bad Dürkheim und Kunstverein finanziert. Großzügige private Spenden haben ganz wesentlich zur Finanzierung beigetragen.
Foto©Privat

Die Versuchung (2004)
Hans-Otto Lehnert, Rodenäs
Standort: Weinstraße Nord
Planpunkt: 14

Der Bildhauer Hans-Otto Lehnert stammt aus Berlin, studierte in der ehemaligen DDR und hat dort auch jahrzehntelang erfolgreich gearbeitet. Nach der Wende zog er mit seiner Schmiedewerkstatt in den Norden nahe der dänischen Grenze – dorthin, wo einst Emil Nolde wirkte. Lehnerts Medium ist Stahl in allen Formen: Edelstahl, Schmiedestahl oder COR-TEN-Stahl B, eine Stahllegierung, die sich durch hohe Witterungsbeständigkeit auszeichnet. Ihre Oberfläche ist mit einer besonders dichten Eisenoxydschicht überzogen, die für die hohe Rostbeständigkeit verantwortlich ist. Lehnert über sein Werk: „Zwei Formen biegen sich beziehungsweise bedrängen sich; suchen Nähe in einer Erstarrtheit, die sich nach oben kurz vor dem Abheben, Fliegen, sich vergessend spannungsvoll öffnet." Das Kunstwerk „Die Versuchung" wurde über eine private Spende finanziert.
Foto©Fotostudio Alles

JANUS (2003)
Prof. Eberhard Linke, Saulheim
Standort: Kurpark Bad Dürkheim (Weg vom Rathaus zur Brunnenhalle)
Planpunkt: 7

Janus war der römische Schutzgott des Ein- und Ausgangs, der mit seinen zwei nach entgegengesetzten Seiten blickenden Gesichtern Türen, Tore und Durchgänge bewacht. Gleichzeitig symbolisiert er das Doppelseitige im Leben. Auch als Gott des Anfangs hatte er für die Römer magische Bedeutung. War doch für sie der erste Schritt für den Erfolg oder das Misslingen aller Entscheidungen ausschlaggebend. Janus waren die frühen Morgenstunden, die Anfangstage der Monate und "Januaris", der erste Monat des Jahres geweiht. Die Plastik wurde durch eine private Spende finanziert. Siehe auch Objekt „Wolke", Planpunkt 15.
Foto©Privat

WOLKE (2001)
Prof. Eberhard Linke, Saulheim
Standort: Kirchgasse (Weg von der Schlosskirche zur Isenach)
Planpunkt: 15
Angeregt wurde der Künstler durch einen Aufenthalt an einem See in Mittelschweden: Die Wolken, die sich dort im klaren Wasser spiegelten, wirkten so nah, dass sie scheinbar mit Händen zu greifen waren. Die "Wolke" gehört zu einer Werkgruppe, in der sich der Künstler mit dem Wechselspiel anthropomorpher (menschenförmiger) Formen in der menschlichen Gestalt auseinandersetzt. Der baumstammartige Arm der "Wolke" entwickelt sich zur Hand, über deren Öffnung eine Wolke auf zwei Fingern schwebend balanciert. Eberhard Linke studierte von 1959-1964 an der Akademie für Bildende Künste in Stuttgart. Studienziel: Bildhauer. 1963 Kunsterzieherexamen, seit 1972 Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Mainz. 1974 Ernennung zum Professor. Die Qualität seiner Arbeit spiegelt sich in zahlreichen Auszeichnungen: 1979 Villa-Massimo Preis, 1989 wird ihm der Staatspreis Rheinland-Pfalz für Kunst und Architektur sowie 1996 der Kunstpreis Rheinland-Pfalz verliehen. Plastiken und Skulpturen von Eberhard Linke bereichern den öffentlichen Raum vieler Städte.
Foto©Fotostudio Alles

WINDSPIEL (1999)
Bernd Funk, Offenbach (Queich)
Standort: Kurpark/Gegenüber der Brunnenhalle
Planpunkt: 3

Bernd Funk gilt als hervorragender Metall-Designer und -Gestalter. Er ist Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK), seine Werke in Stahl/Edelstahl/Bronze sowie seine Restaurierungsarbeiten haben weit über die Landesgrenzen hinaus Beachtung gefunden. 2002 wurde er mit dem Pfalzpreis geehrt. Funk sieht sich als Kunsthandwerker, der, handwerklich geprägt, bei vielen seiner Arbeiten die Grenzen zur Kunst überschreitet: Für ihn existiert noch die alte Einheit von Kunst und Handwerk. Konsequent vertritt er eine klare Linie und nähert sich der Philosophie des Bauhauses an. Funks besondere Liebe für kinetische Objekte beweist er auch in Bad Dürkheim. Der exponierte Standort des Windspiels im Herzen des Kurparkes –zentral auf der Blickachse von Brunnenhalle und Springbrunnen – verlangte großes Einfühlungsvermögen. Das Objekt, bestehend aus acht verbundenen Edelstahl-Elementen (2.60 und 4.25 Meter hoch), ist mit Edelstahlseilen verspannt. Die Windflügel in den heiteren Farben "Himmelblau und Sonnengelb" vermitteln selbst an trüben Herbst- und Wintertagen eine Vorahnung auf die Sonnentage des Frühjahrs und Sommers.
Foto©Fotostudio Alles

KULT-UHR (1996)
Volker Heinle, St. Martin
Standort: Leininger Straße/Philipp-Fauth-Straße
Planpunkt: 27

Volker Heinle studierte in Berlin an der Hochschule für Künste. Nach dem Examen als Designer folgte ein Kunstpädagogik-Studium, 1985 hat er sich als Künstler selbständig gemacht. Volker Heinle ist ein exzellenter Zeichner und Radierer. Seine Motive: überwiegend historische Persönlichkeiten, Gebäude oder Orte, die Heinle teils real, teils fiktiv in die Gegenwart transponiert. 1995 entstand seine große Wandbemalung in Bad Dürkheim. Die 40 Quadratmeter große Giebelwand ist symbolträchtig gestaltet: Das Gefüge des abgebildeten Dachbodens scheint gefährdet, merkwürdige Gegenstände zeigen sich: Bilderrahmen und Bilder, blaue und lustvoll fleischfarbene Früchte, ein Messinstrument, versprengte Buchstaben, Bleistifte und Pinsel, Postpakete als Hinweis auf die frühere Poststation. Ein grüner, vielblättriger Baum stemmt sich dem berstenden Gebälk entgegen, doch die Baumwurzeln enden in blauschimmernden Stahlplatten – Zeichen der beginnenden Industrialisierung. Die "Kult-Uhr" in der Giebelspitze, zu der ein "K" aus einem Holzstift weist, zeigt uns den Weg: Die Literatur (= ABC), die Malerei, die Musik und die Glühbirne (= Geistesblitze) sind Symbole für eine Überlebensstrategie.
Foto©Fotostudio Alles

STEINKREIS (1996)
Willi Bauer, Heiligenmoschel
Standort: Am Ende des Römerplatzes/Richtung Stadtplatz
Planpunkt: 21

Willi Bauer studierte Design, visuelle Kommunikation sowie Politik und Kunst in Kaiserslautern und Giessen. Seit 1985 freischaffender Künstler, gestaltete er 1996 den "Steinkreis" als Anordnung von zwei Granitblöcken auf einer runden Steinplatte. Der dabei verwendete Paradiso-Granit zeichnet sich durch eine ausgeprägte Struktur aus, die besonders bei Nässe eindrucksvoll hervortritt. Im Volksmund wird die Skulptur auch "Steinerne Couch" genannt. Der Steinkreis, der die beiden Blöcke umschließt, ist für den Künstler ein zentrales Thema: „Der Kreis ist eines der ersten Elemente der Kommunikation. Unsere Vorfahren saßen im Kreis um ein Feuer, das kreisförmig abbrannte. Die frühen Behausungen der Menschen waren kreisförmig. Wir stehen im Kreis und reden. Wichtige Dinge werden am ‚Runden Tisch' besprochen. Das Gespräch im Kreis setzt Gleichheit voraus und grenzt Konkurrenz aus. Der Kreis ist die einfachste und vollkommenste Figur: ohne Anfang und Ende."
Foto©Fotostudio Alles

KOPFPLASTIKEN (1994)
Theo Rörig, Hettenleidelheim
Standort: Schlosskirchenplatz
Planpunkt : 16

Der Pfälzer Bildhauer ist seit 1973, nach seiner Ausbildung von 1954-1963 an der Fachschule für Bildhauer in Kaiserslautern, freischaffend tätig. Als Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) hat er an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teilgenommen. Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Pfalzpreis für Kunsthandwerker – seine Werke werden im Öffentlichen Raum, in Kirchen und Institutionen des Landes gezeigt. Theo Rörig hat sich in seiner künstlerischen Arbeit besonders mit den vielfältigen Facetten des Menschen beschäftigt. In seinen streng archaisch geformten Kopfskulpturen drückt er seine Beobachtungen aus. Für ihn werden Emotionen immer mehr unter einer Maske verborgen, der Helm wird zum Zeichen für Angst und Verschlossenheit. Das Visier der Helme ist oft geschlossen, nur kleine Öffnungen und Schlitze weisen darauf hin, dass sich dahinter ein Mensch verbirgt. Theo Rörig sieht sich als Grenzgänger, der sich nicht einseitig vereinnahmen lässt. Für ihn existiert unverändert die traditionelle Einheit von Kunst und Handwerk. Die "Helmköpfe" 1998 über eine private Spende finanziert, ergänzen die bereits 1994 aufgestellten "Kopfplastiken" zu einem Ensemble. Die Kopfskulpturen sind symbolische Wächter und Hüter des Schlosskirchenplatzes.
Foto©Fotostudio Alles

SIE und ER (1990)
Josef Koseda, Danzig
Standort: Kurpark. Am Weg von der Ludwigskirche zur Saline.
Planpunkt: 9

Der polnische Bildhauer Josef Koseda lebt und arbeitet in Danzig. 1990 wurde er vom Kunstverein Bad Dürkheim zu einem vierwöchigen Aufenthalt in Bad Dürkheim eingeladen. Im Rahmen eines Symposiums bearbeitete er im Innenhof des Kulturzentrums Haus Catoir einen Pfälzer Sandsteinblock. Viele Bürger und Gäste der Stadt nahmen am Entstehungsprozess teil. In der Anfangsphase durften sie dabei sogar selbst Hand anlegen. So entstand die Skulptur "Sie und Er". Die beiden aneinander gelehnten Pferdeköpfe symbolisieren das Miteinander und Füreinander von Mann und Frau – ein ewiges Thema in der Kunst. Diese Verstrickung der Geschlechter spiegelt sich in den Arbeiten Kosedas wieder. Viele seiner kleinformatigen Holzskulpturen zeigen in stilisierter Form Mann und Frau – getrennt oder vereint – ruhend oder in Bewegung. Koseda hält das Streben nach Harmonie für das Idealziel in unserer Welt der Hektik und des Zwiespalts.
Foto©Fotostudio Alles

 

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