LIMBURG-PREIS 2012

 

Im Rahmen eines Festaktes wurde Janna Steenfatt (30) aus Leipzig der LIMBURG-PREIS 2012 verliehen. „Fast emotionslos und doch mit einer berührenden Eindringlichkeit", so die Jury, beschreibt sie in ihrer Erzählung „Lumi heißt Schnee" die Reise einer Frau nach Finnland, zu einem Mann. Ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie man in kristallklarer Sprache und großem Tiefgang vom Nichts erzählen kann. 

Der Text ist Ende 2013 mit Hinweis auf den LIMBURG-PREIS 2012 auch in der Zeitschrift „Entwürfe für Literatur" in Zürich (www.entwuerfe.ch) erschienen.

Zum Herunterladen: Laudatio von Markus Orths (Jury-Vorsitzender) 
pdfLaudatio_zu_Janna-Steenfatts.pdf

 

Gefühl für das Nichts

Großer Bahnhof für eine junge Frau, die sich gegenüber 166 Mitbewerbern (insgesamt 300 Einsendungen) aus dem In- und Ausland überzeugend durchgesetzt hatte. Im Rathaussaal der Stadt Bad Dürkheim wurde Janna Steenfatt durch Kulturdezernentin Heidi Langensiepen und im Beisein von Vertretern des Stadtrates, des Kulturausschusses sowie zahlreichen Gästen – darunter auch nahezu alle ehemaligen Vorsitzenden des Kunstvereins Bad Dürkheim – der LIMBURG-PREIS 2012 verliehen.

Die Entscheidung der dreiköpfigen Autoren-Jury – Dr. Silke Andrea Schuemmer (1. Preisträgerin LIMBURG-PREIS 2009), Markus Orths (1. Preisträger LIMBURG-PREIS 2003) und Martin Gülich – war einmütig. Zudem, wie Martin Gülich in seiner Laudatio betonte, auch ungewöhnlich schnell getroffen. Hat doch Janna Steenfatt mit ihrer Erzählung „Lumi heißt Schnee" eine Beziehungsgeschichte vorgelegt, die weit mehr erzählt und damit tiefer geht als die Reise einer jungen Frau nach Finnland zu ihrem Schriftsteller-Freund.

Zehn Seiten, geprägt vom Warten auf das, was sich seit Jahren nicht erfüllt. Was nicht zu sehen, nur zu spüren und kaum zu ertragen ist. Für Martin Gülich hat Janna Steenfatt analog zum Thema einen kühlen Grundton erschaffen, „und mit ihm die Leitmotivik dessen, worum es ihrem Text eindringlich und immerfort geht: Um das Verlassen, um das schöne Ungewisse, um das Offene des Nichtgelebten... kurz: um das Nichts". Gleichzeitig findet Steenfatt mit dem Begriff Schnee „ein wunderbares Bild, dieses Gefühl des Nichts auszudrücken, ein Lebensgefühl der Leere und des Fehlens".

Schnee als Metapher für eine alles erdrückende Macht. Schnee als „weiße Leinwand, die all' unseren existenziellen Bemühungen in Beruf, Beziehung und Selbstfindung zugrunde liegt". Schnee, „die Grundfarbe des Nichts, auf das unser Leben zwangsläufig zusteuert". Diese Grundfarbe, so Gülich, „ist nicht schwarz, sondern weiß, weiß wie der Schnee".

Janna Steenfatt ist 30 Jahre alt und damit Protagonistin einer jüngeren Autorengeneration. Eine junge Handschrift also - knapp, unterkühlt, um nicht zu sagen cool. Gleichzeitig liefert ihr Text den Beweis, dass auch eine junge Autorin Tiefgang wie Stilsicherheit an den Tag zu legen vermag. Martin Gülich: Fast „emotionslos und doch mit einer berührenden Eindringlichkeit" vermischt Janna Steenfatt präzise Beobachtung mit kristallklarer, „immer wieder wie Schnee in der Sonne auffunkelnder Sprache", wobei sie Klischees, Pathos und Larmoyanz strikt vermeidet.

So ist „Fräulein" Steenfatts Gefühl für Schnee – oder für „Lumi"! – nicht nur ein wunderbarer, berührender Text über das Nichts und den Schnee und die Leere, „die zur Grundierung des menschlichen Lebens gehört und mit dem wir uns abfinden müssen" (Gülich). Es ist auch ein überzeugender Beweis dafür, was die Förderung junger Autoren an Interessantem hervorbringen kann.

Geld allein soll bekanntlich ja nicht glücklich machen. Wenn aber der LIMBURG-PREIS 2012, verliehen von der Stadt Bad Dürkheim, ausgerichtet vom Kunstverein Bad Dürkheim und dotiert mit 4 000 Euro, Nachwuchsautoren wie Janna Steenfatt zum soliden Trittstein wird auf ihrem Weg, wenn dieser Förderpreis es schafft, auch nur für „eine gewisse Zeit Unabhängigkeit" (Steenfatt) und damit Sicherheit beim Schreiben zu ermöglichen, dann wird dieser Nachwuchs-Förderpreis seinem Namen auch mit Sicherheit gerecht.

Heidi Gronegger

 

Bild von der Limburg Preis Verleihung
© 2012 Eisenbarth

"...keine alternative zu einem leben als schriftstellerin"

Janna Steenfatt
Geboren 1982 in Hamburg
Lebt in Leipzig

2011 Finalistin Open Mike Wettbewerb

2010 Stipendiatin Schloss Wiepersdorf

2009 Stipendiatin Stiftung Künstlerdorf Schöppingen

2007 Stipendiatin Klagenfurter Literaturkurs

2005 Publikumspreis des Hattinger Förderpreises

2004 - 2010 Studium Prosa und Dramatik
Deutsches Literaturinstitut Leipzig

 

Auch ein Literaturpreis hat seine Geschichte

1991 wird der „Literaturwettbewerb um den Limburg-Preis der Stadt Bad Dürkheim" von der Stadt ins Leben gerufen. Der Kunstverein Bad Dürkheim richtet den LIMBURG-PREIS, wie er der Kürze halber genannt wird, aus. Eine sinnstiftende Kooperation – zugunsten der Literatur.

Ohne Rahmenbedingungen aber geht das nicht. Vergeben wird der Preis nur alle drei Jahre, ab 2006 ist mindestens eine Verlags-Veröffentlichung Pflicht. Sechs Jahre später soll der Text nur eine Erzählung (Prosa) sein, auch eine Altersbeschränkung folgt: Am Tag der Preisverleihung darf kein Bewerber das 40. Lebensjahr vollendet haben.

Ein klarer Fall von Nachwuchs-Förderung!
Und ein Signal, das offensichtlich verstanden wird – weit über Bad Dürkheim und die Pfalz hinaus. So haben sich in diesem Jahr trotz neuer Altersregelung über 300 jüngere Autoren aus dem In- und Ausland beworben – ein klarer Erfolg. Auch dass viele Preisträger vor der Preisverleihung entweder bereits bekannt sind oder umgehend bekannt werden, kann als Plus verbucht werden. In diesem Fall für die Fach-Jury – und zwar generell. Die hat sich in diesem Jahr neu formiert. Das literarische Drei-Gestirn – bestehend aus Dr. Silke Andrea Schuemmer, Martin Gülich und Markus Orths – kommt erwartungsgemäß aus demselben Metier, alle drei sind freie Schriftsteller. 

Laut Wikipedia ist der LIMBURG-PREIS „ein deutscher Literaturpreis, den die pfälzische Kreisstadt Bad Dürkheim vergibt. Er befasst sich mit dem literarischen Genre der Prosa und zählt neben dem Georg-K.-Glaser-Preis, dem Martha-Saalfeld-Förderpreis und dem Pfalzpreis für Literatur zu den bedeutendsten literarischen Auszeichnungen des Landes Rheinland-Pfalz".

 

Ausschreibung 2012

Ausschreibung 2012

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Jury

Markus Orths

Markus Orths, Karlsruhe
Vorsitzender und 1. Preisträger
des LIMBURG-PREISES 2003 Kleinewelt
Seit 2001 freier Schriftsteller von Romanen und Erzählungen. Er leitet regelmäßig Werkstätten zum literarischen Schreiben.

Foto: privat

Siehe auch PRESSE

Dr. Silke Andrea Schuemmer

Dr. Silke Andrea Schuemmer, Berlin
1. Preisträgerin des LIMBURG-PREISES 2009
Betrifft: Zweite Rate
Schriftstellerin, Kunsthistorikerin und freie Journalistin.
Schreibt Romane, Erzählungen, Lyrik und Essays.

Zur Webseite der Autorin

Foto: Studioline Hamburg

Martin Gülich

Martin Gülich, Freiburg/Breisgau
Freier Schriftsteller von Romanen, Erzählungen und Gedichten. Lektor sowie Leiter von Schreibwerkstätten, früher Leiter des Literaturbüros Freiburg und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift "Konzepte".

Foto: Stefanie Stegmann

 

Preisträger

2009

Hauptpreis: Dr. Silke Andrea Schuemmer Betrifft: Zweite Rate
In die Endauswahl kamen außerdem: Hans van Ooyen und Elke Heinemann


2006

Hauptpreis: Simon Urban Gelobtes Land
Förderpreis: Johanna Hemkentokrax Schlangenbach
Einstufung „hervorragend" für die Beiträge von: Philip Meinhold, Antje Telgenbüscher, Birgit Schwaner, Dorothee Trachternach, Waltraud Bondiek, Birgit van der Leeden, Claudia Rußwurm, Emma Braslavsky


2003

Hauptpreis: Markus Orths Kleinewelt
2. Preis: Susanne Heinrich Other People turn around and laugh at you
3. Preis: Carina Nekolny Der Pullover
Förderpreis: Franziska Gerstenberg Glückskekse

 

2000

Hauptpreis: Nils Mohl Von den Elefanten sprechen wir später
2. Preis: Stefan Monhardt Die Geschichte mit dem Fleisch
3. Preis: Markus Ramseier Unter der Haut
Förderpreis „Rheinpfalz": Martin von Arndt Findung

1997

Hauptpreis: Claudia Diemar Nach-Lauf
2. Preis: Sabine Kornbichler Lillys Antwort
3. Preis: Verena Mahlow Mein Schweigen

1994

Hauptpreis: Markus Kemminer Die Vögel
2. Preis: Susanne Faschon Himmel und Hölle
3. Preis: Klaus Wiegerling Der zweite Mann


1991

Hauptpreis: Dieter Henkel Über zwei Kontinente
2. Preis: Gabriele Weingartner Über die Kunst, beim U-Bahn-Fahren nicht zu sterben
3. Preis: Michael Rumpf Sinterungen

 

Welche Resonanz der LIMBURG-PREIS hat

 1991 bis 2000  Zwischen 100 und 250 Einsendungen
 2003  1224 Zusendungen
 2006  694 Zusendungen
 2009  667 Zusendungen
 2012 (Konzeptänderung)  Über 300 Zusendungen

 

 

So ist der LIMBURG-PREIS dotiert

 Preise bis 2001 
nur 2003 
nur 2006 
seit 2009 
 Hauptpreis 3.000 DM  1.500 €  2.500 €  4.000 € 
 2. Preis 2.000 DM  1.000 €     
 3. Preis 1.500 DM  750 €     
 Förderpreis 500 DM  250 €  750 €   

 

 

Zur LIMBURG-PREIS Webseite der Stadt Bad Dürkheim

Siehe auch PRESSE

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