Rede von Manfred Geis


Kunstverein Bad Dürkheim - Jubiläum "40 Jahre" am 17./18. August 2019

Rede von Manfred Geis
zur Begründung des Ehrenvorsitzes für Siegmund Crämer
am 17.08.2019

"Manfred Geis spricht über die Konzeption und die Anfänge", steht im Ankündigungsbericht der "Rheinpfalz". Bei unseren Planungen für diesen Festakt zum 40jährigen Bestehen des Kunstvereins steht mein Beitrag unter dem Stichwort "Ehrungen". Das ist kein Widerspruch! Wenn ich jetzt begründe, warum der Vorstand des Kunstvereins einstimmig beschlossen hat, Herrn Siegmund Crämer zum Ehrenvorsitzenden des Vereins zu machen, dann spreche ich über Konzeption und Anfänge des Kunstvereins.

Niemand kann allein etwas bewirken und die Vorgeschichte des Kunstvereins war ein wunderbarer bürgerschaftlicher Prozess mit vielen Mitwirkenden, die sich auf den kleinen Kinderstühlchen der alten Offenen Werkstatt in der Kirchgasse getroffen haben, um Perspektiven der Kulturarbeit in der Stadt zu beraten und Pläne zu schmieden. Initiator, anregender Ideengeber und Moderator der regelmäßigen Treffen war Siegmund Crämer. Ich erinnere mich deshalb sehr gut daran, weil ich als ziemlich junger Mensch Protokoll führen durfte. Die Aufzeichnungen und die Teilnehmerlisten habe ich bis heute sorgfältig aufbewahrt.

Um diesen Impuls verstehen und einordnen zu können, muss man aber noch einen kleinen Schritt weiter zurückgehen. Die erste große Weichenstellung, die Siegmund Crämer als städtischer Beigeordneter in den frühen 1970er Jahren vollzog, waren die Gründung der Offenen Werkstatt und der Musikschule. Und bei dieser Gelegenheit muss man die beiden weiteren Personen nennen, die die wichtigsten Partner von Siegmund Crämer waren: Gabriele Weiß-Wehmeyer, die erste Leiterin der Musikschule, und Walter Graser, der eigene künstlerische Ambitionen zurückstellte und mit Leib und Seele die Offene Werkstatt leitete.

Schlagwortartig ausgedrückt: Der Kunstverein ist das Kind der Offenen Werkstatt, nicht nur wegen des Ortes der Treffpunkte des damaligen "Arbeitskreises Kultur", sondern weil die teilhabeorientierte Werkstatt-Konzeption Ausgangspunkt dafür war, zwei Grundvoraussetzungen für ein bürgerschaftliches kulturelles Engagement zu diskutieren. Und sich - das ist die allergrößte Stärke von Siegmund Crämer - sich um deren Verwirklichung zu mühen:
Es sollte ein "Kulturzentrum" als Ort kultureller Begegnung und einen Kunstverein als Träger und Förderer geben.
Nach vielen Sitzungen wurde im Herbst 1977 der Stadt empfohlen, das ehemalige Weingut Catoir als künftiges Kulturzentrum zu kaufen. Wie umstritten das war, kann (und will) man sich heute nicht mehr vorstellen. 1978 fiel die Kaufentscheidung. 1979 legte Siegmund Crämer detaillierte Konzeptionen für das "Haus Catoir" und den Kunstverein, der in diesem Jahr auch gegründet wurde, vor. Die Zeit reicht jetzt nicht, um daraus zu zitieren, das Einführungsreferat von Siegmund Crämer bei der Gründung des Kunstvereins ist allen zur Lektüre empfohlen.

Der Kunstverein hat die Entstehung des Hauses Catoir maßgeblich mitgeprägt und er hat sich immer für die Offene Werkstatt als zentralen Bestandteil des Hauses verantwortlich gefühlt, 1984 die Trägerschaft übernommen und 1985 die Eröffnung im Haus Catoir vollzogen.
1987 wurde der letzte Bauabschnitt des Hauses Catoir durch Bürgermeister Georg Kalbfuß seiner Bestimmung übergeben. Die erste Ausstellung im Haus war den drei Dürkheimer Bildenden Künstlern Karlheinz Berger und Walter Graser, beide wurden in diesem Jahr 50, und Robert Seiter, der 75 wurde, gewidmet.

Grundlegende Ziele für den Kunstverein sind erreicht worden, sonst wären wir heute nicht hier. Zu verdanken ist das in herausragender Weise dem Ideenreichtum und der unbändigen Tatkraft von Siegmund Crämer (bei der "Lebenshilfe" ist das genauso!). Dafür danken wir ihm und dafür ehren wir ihn mit der Auszeichnung zum Ehrenvorsitzenden des Kunstvereins Bad Dürkheim, seines Kunstvereins!
Gerade wenn man über Siegmund Crämer spricht, wäre es absolut unangemessen und niemals in seinem Sinn nur nach hinten zu schauen. So wie er immer neue Ideen hatte und immer neue konkrete Umsetzungsschritte anging, muss man wenigstens einen Satz in seinem Sinne zur Zukunftsperspektive des Kunstvereins sagen.

Vieles hat sich verändert; das Konzept, sich ganz bewußt in gleichberechtigten Arbeitskreisen Bildende Kunst, Literatur, Musik und Theater zu treffen, ist bald eingeschlafen, der "Kunstkeller" im Haus Catoir, der wohl den wenigsten noch bewusst sein wird, ist nach wenigen Jahren geschlossen worden. Rolf Jochum war mal der Wirt! Ich erinnere mich an viele schöne Abende!
Manches wurde nicht erreicht, was uns ganz wichtig war, z.B. das "Künstlerzentrum" in der alten Offenen Werkstatt, wo junge Künstlerinnen und Künstler wohnen und arbeiten und dafür die Arbeit der Offenen Werkstatt mitprägen sollten. Eine wunderbare Idee.
Eines trauen wir uns nicht mehr und sollten darüber nachdenken, es wieder zu tun: die Mitprägung der Stadtgestaltung!
Ich erinnere mich gut zum Beispiel an unsere heißen Diskussionen zur autofreien Umgestaltung und kulturellen Nutzung des Stadtplatzes!

Im Sinne von Siegmund Crämer: Lassen Sie uns wieder mutiger und selbstbewusster werden und auch politisch, nicht parteipolitisch, sondern ausgehend von einer teilhabeorientierten, menschengerechten Kultur Einfluß nehmen auf die Gestaltung unserer Stadt!


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